Nike Mangold: Die Orangerie

Inhalt:
Hamburg, 1905: Eine junge Frau aus dem Elendsviertel der Stadt erlangt durch ihr Zeichentalent eine Anstellung im vornehmen Harvestehude. Dort entdeckt sie den Tempel der Botanik, verliebt sich in einen Nudisten, kämpft gegen eine raffgierige Kaufmannsgattin und beteiligt sich unwissentlich an einem gigantischen Betrug.

Historischer Hintergrund:
Reiche Hanseaten prägten über Jahrhunderte das Bild Hamburgs. Doch kaum jemand weiß heute noch, wie die kleinen Leute einst lebten. Dabei waren sie es, die das Herz der Stadt bewohnten. Dort, wo heute die Mönckebergstraße verläuft, drängten sich noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts Zehntausende in mittelalterlich engen Wohnungen und ärmlichen Verschlägen. Ihre Welt wurde zerstört, doch der Skandal der mit dem Abriss ihrer Häuser verbunden war, ist heute weitgehend vergessen. Dieser Roman setzt denen ein Denkmal, nach denen keine Straßen und Plätze benannt wurden.

Auszug:
»Guten Morgen, nicht erschrecken«, sagte eine Stimme.
Alma zuckte zusammen und fuhr herum. Zwischen den Pomeranzenbäumen stand ein nackter Mann und winkte. Sein plötzliches Auftauchen war Alma unheimlich, aber die Tatsache, dass er keine Kleidung trug, beruhigte sie wieder etwas. Um einen Kunden handelte es sich bei dem Kerl dann schon einmal nicht, und das war gut. Sie kannte sich noch viel zu wenig aus, um fachmännisch Orchideen verkaufen zu können.
»Haben Sie sich verlaufen?«, fragte sie freundlich.
»Ganz und gar nicht. Das hier ist meine gute Stube.«
Der Mann gähnte und räkelte sich. Betrunken oder verwirrt wirkte er nicht. Warum, um alles in der Welt, war er dann nackt?
»Sind Sie ausgeraubt worden?«, fragte Alma.
Der Mann sah an sich herunter.
»Seltsame Frage, findest du nicht? Was sollte man mir nehmen?«

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