Literarische Neuerscheinung zum 30. Todestag von Joseph Beuys

Soziale-Plastik-Banner.001Ein Buch über die Soziale Plastik

Solingen, 23. Januar 2016. Am 23. Januar 1986, heute vor 30 Jahren, starb Joseph Beuys, einer der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Die meisten Menschen kennen ihn als Zeichner, Bildhauer und provokanten Aktionskünstler. Filz und Fett waren seine Materialien. Der Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie war aber auch Kunsttheoretiker. Er beschäftigte sich mit sozialen und philosophischen Fragen und engagierte sich politisch. In den 70er Jahren prägte er den ›erweiterten Kunstbegriff‹ und schuf die Idee der ›Sozialen Plastik‹. Mit diesen beiden Begriffen beschäftigt sich Jan Ulrich Hasecke in seinem neuen Buch »Soziale Plastik. Die Kunst der Allmende«, das Ende Januar erscheint.

Auf knapp 120 Seiten nimmt Hasecke die Ideen der Sozialen Plastik kritisch unter die Lupe. Anhand von Beuys-Zitaten rekonstruiert er den erweiterten Kunstbegriff und entlockt der Idee der Sozialen Plastik neue Perspektiven.

›Jeder Mensch ist ein Künstler‹ – dieser bekannte Ausspruch von Beuys wurde oft missverstanden«, sagt Hasecke. »Beuys hat nie behauptet, dass jeder Mensch ein genialer Maler oder Bildhauer sei. In seinem erweiterten Kunstbegriff wird jeder Mensch als Künstler verstanden, weil jeder Mensch an der Gestaltung der Gesellschaft mitwirkt. Beuys wollte nicht unsere Vorstellung von Zeichnungen, Gemälden und Plastiken erschüttern, sondern unseren Begriff von der Gesellschaft revolutionieren. Bei der Sozialen Plastik geht es um die Gestaltung der Gesellschaft.«

Wenn man sich den Zustand der Welt einmal anschaut, die Kriege, die Gewalt, die Zerstörung natürlicher Lebensräume, die wachsende Zahl von Flüchtlingen, die soziale Verwahrlosung, die Armut, die Vereinsamung, dann kommt man schnell zu dem Schluss, dass wir die Kunst, friedlich und zum Wohle aller miteinander zu leben, ganz offensichtlich verlernt haben; falls wir sie jemals beherrschten. Die große Frage ist nun, wie können wir diese Kunst, die Kunst der Sozialen Plastik, wieder erlernen? Hasecke versucht dies in seinem Buch herauszufinden.

Hasecke bringt den erweiterten Kunstbegriff von Beuys mit der Philosophie der Gemeingüter in Verbindung. Gemeingüter, auch Commons oder Allmenden genannt, sind gemeinsam genutzte Ressourcen, die von ihren Nutzern selbst verwaltet werden. Dazu gehören Fischgründe, Gemeinschaftsweiden, Trinkwasserreservoirs oder Bewässerungssysteme, aber auch Gemeinschaftskindergärten, autonome Kulturzentren, Freie Software, Wissen, Kulturschätze oder Saatgut. Allmenden sind weltweit in Gefahr, da internationale Konzerne ihre wirtschaftlichen Interessen rücksichtslos durchsetzen. Sie zerstören Urwälder und indigene Lebensräume, um Plantagen zu errichten oder Rohstoffe auszubeuten. Pflanzen und Lebewesen werden patentiert. Staatliches und kommunales Eigentum wird privatisiert. Ein restriktives Copyright knebelt Künstler und Konsumenten. Und die letzten demokratischen Schutzmechanismen gegen den entfesselten Kapitalismus sollen durch internationale Handelsabkommen wie TTIP und CETA ausgehebelt werden.

»Die moderne Commons-Forschung«, sagt Hasecke, »zeigt, dass es konkrete, seit Jahrhunderten praktizierte Regeln gibt, mit denen Gemeingüter verwaltet werden. Dabei geht es nicht nur um wirtschaftliche Fragen, sondern auch um die soziale Identität von Menschen. Gemeingüter sichern nicht nur die wirtschaftliche Existenz, sie prägen auch das Leben und die Heimat der Menschen. Gemeingüter ermöglichen es dem Einzelnen an der Gestaltung der Gesellschaft teilzuhaben, so wie es Beuys gefordert hat.«

Beuys hatte zwar noch keinen Begriff von Gemeingütern, aber sein erweiterter Kunstbegriff läutete eine Kopernikanische Wende ein. Es ist nicht mehr die Gesellschaft, die den Einzelnen prägt. Nach Beuys können wir alle als soziale Künstler die Welt, in der wir leben, formen. »Bei der Sozialen Plastik geht es um die Kunst, das Gemeinwohl zu formen, also um die Kunst der Allmende« sagt Hasecke. »Wenn Beuys sagt, dass jeder Mensch ein Künstler sei, so erinnert er uns daran, dass wir als soziale Künstler eine Verantwortung für unser Werk haben. Wir formen die Gesellschaft – aber wir müssen es auch richtig machen. Wir müssen unser Handwerk beherrschen.« Hasecke zeigt in seinem Buch, dass es vor allem die Gemeingüter sind, die allen Menschen die Möglichkeit geben, sich an der Formung der Gesellschaft zu beteiligen.

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Über den Autor

Jan Ulrich Hasecke wurde am 13. April 1963 in Velbert geboren und lebt in Solingen. Er studierte an der Universität zu Köln Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Germanistik und Philosophie. In den 80er Jahren war Hasecke freier Mitarbeiter bei verschiedenen Fernsehanstalten und drehte u.a. einen Spielfilm für die Fernsehspielreihe ›Debüt im Dritten‹ des SWF. Seit 1990 ist Hasecke als freier Autor und Werbetexter tätig. In seinem Internet-Blog Sudelbuch nimmt er seit 1998 Politik und Gesellschaft satirisch aufs Korn. Bereits 1997 gründete er das Generationenprojekt, das 1999 im Rahmen der Literaturtage Baden-Württemberg mit dem Themenpreis des Ettlinger Literaturwettbewerbs ausgezeichnet wurde. Im Jahr 2000 veröffentlichte Hasecke seinen ersten Roman: ›Die Reise nach Jerusalem‹. Es folgten Essays, ein Filmbuch und Sachbücher.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website https://literatur.hasecke.com