Von Vögeln, Kontrolle und Wikingern: Rebekka Mand im Qinterview

Qinterview 3Sie ist seit dem 16. Oktober unser Vogel. Natürlich halten wir sie nicht in einem Käfig, den wir einmal pro Tag mit Sand, Wasser und Futter füllen. Sie hat schönerweise die Betreuung unseres Twitter-Accounts übernommen und zwitschert seidem die Qindie-Botschaften ins Netz.
Darüber hinaus hat sie einen Job, eine Familie und schafft es trotzdem, Romane zu schreiben, die sich unser Q auf dem Cover verdient haben.
Rebekka Mand schließt die Qinterviews 2015 ab und eröffnet sie für 2016.
Ihr und allen Lesern, Partnern und Kollegen wünschen wir ein gesundes, fröhliches und erfolgreiches neues Jahr.

1.    Wer bist du und was machst du in puncto Self-Publishing?

Mein Name ist Rebekka Mand und ich bin Autorin der Wikinger – Romane »Von den Grenzen der Erde« und »Von den Hütern der Schlange«, einer als Trilogie geplanten Reihe.

2.    Was hat dich dazu bewogen, deine Bücher selbst zu veröffentlichen?

Das war ein langer Prozess des Abwägens. Letztlich überwog das Bedürfnis, es selbst in die Hand zu nehmen, ohne Umwege, ohne lästige Hürden. Ich habe viele Jahre nur für mich ge-schrieben, auch wenn der Wunsch, zu veröffentlichen, immer da war. Nachdem ich mich lange mit den Themen Verlagswesen und Self-Publishing auseinandergesetzt hatte, war für mich klar: Meine Geschichten aus der Hand zu geben ist nichts für mich. Ich bin ein klassi-scher Kontrollfreak, möchte am liebsten alles selbst entscheiden.

3.    Wie sind deine bisherigen Erfahrungen mit Self-Publishing?

Die anfänglichen Reaktionen auf meine Pläne waren eher durchwachsen. Viele Menschen fragten mich, warum ich es nicht wenigstens mal bei einem Verlag versuchen würde … als wäre Self-Publishing grundsätzlich zweite Wahl. Aber gerade im engeren Bekanntenkreis war die anfängliche Skepsis schnell besiegt. Vielen ist einfach nicht bewusst, welch enormer Aufwand – abgesehen vom Schreiben – dahintersteckt, und dass es viel mehr Mut, Engage-ment und Glauben an sich selbst erfordert, als sich bei einem Verlag zu bewerben.
Leider begegne ich aber auch immer wieder Vorurteilen gegenüber dem Self-Publishing, man ist und bleibt vielerorts leider ein »Autor zweiter Klasse«.

4.    Was findest du beim Self-Publishing problematisch?

Ebendiese Vorurteile – und jene, die sie begründen. Schwarze Schafe gibt es überall, und wenn jemand meint, er müsse pro Monat einen Roman auf den Markt hauen, dessen Quali-tät dann naturgemäß unter aller Sau ist, ärgert mich das. Weil es für alle anderen bedeutet, dass sie sich noch mehr anstrengen, noch mehr Zeit, Geld und Sorgfalt in ihre Bücher ste-cken müssen, um die Vorurteile der Leser gegenüber verlagsunabhängigen Autoren zu wi-derlegen.

5.    Was erscheint dir nützlich, um das Problem zu beheben?

Einfach weitermachen. Irgendwann trennt sich die Spreu vom Weizen ganz von allein, denn Leser sind durchaus in der Lage, Qualität zu erkennen. Unabhängige »Gütesiegel« wie das von Qindie sind natürlich auch hilfreich. Wünschenswert wäre noch, wenn sich auch renom-mierte Leserplattformen wie z.B. Lovelybooks endlich zu erfolgreichen Self-Publishern be-kennen würden. Aber ich denke, wir sind auf einem guten Weg.

6.    Wieso tust du dir die Härten des Selbstverlegers freiwillig an? (Leserfrage)

Das frage ich mich auch manchmal. Es ist schon hart, besonders das Verkaufen meiner Per-son und meiner Bücher als Marke fällt mir oft schwer. Aber gleichzeitig macht es mir auch großen Spaß, den gesamten Prozess vom ersten Wort bis zum fertigen Buch selbst zu gestal-ten. Das erfüllt mich mit Stolz und überwiegt (meistens) die Nachteile.

7.    Wer sind deine ersten Testleser? Und warum dürfen gerade diese Leser deine Worte zuerst genießen?

Die Erste, die meine Texte für gewöhnlich in die Finger bekommt, ist meine Mutter. Von ihr hole ich mir das Lob ab, das ich brauche, um weiterzumachen, aber sie macht mich auch auf Unschlüssiges aufmerksam. Dann habe ich noch zwei ebenso kompetente wie gnadenlose Kolleginnen aus dem Textkritikforum »Federfeuer«, mit denen ich seit Jahren verbandelt bin. Meistens zwinge ich dann noch meinen Mann zum Lesen (er ist leider ein totaler Lesemuf-fel), um eine »männliche« Meinung zu bekommen. Aber dann ist es auch genug. Zu viele Köche verderben den Brei, wie man so schön sagt, und zu viele unterschiedliche Meinungen verwirren mich mehr, als dass sie mir helfen.

8.    Hat dich schon einmal ein Treffen mit einem Fan zu einer Idee inspiriert? (Leserfrage)

Natürlich bekomme ich viel Feedback, das mich motiviert und inspiriert, aber bisher war noch keine konkrete Idee dabei. Es ist vielmehr so, dass das Feedback von Fans mir hilft, meine Selbstzweifel zu überwinden und so selbst meine Ideen zu entwickeln.

9.    Kommt es vor, dass Figuren etwas Anderes tun oder sagen, als du geplant hast? (Leserfrage)

Die Frage müsste eigentlich lauten: »Tun oder sagen deine Figuren jemals das, was du ge-plant hast?« Und die Antwort lautet: »Selten. Höchst selten. Aber das macht ja gerade den Reiz des Schreibens aus.«

10.    Wie hat sich dein Alltag durch das Schreiben verändert?

Er hat sich schon sehr verändert. Meine Prioritäten haben sich verschoben, seit das Schrei-ben für mich mehr als ein einsames Hobby ist. Ich bin jetzt in der Lage, »Nein, ich habe keine Zeit, ich muss noch schreiben«, zu sagen, anstatt das Schreiben hintenanzustellen, wie es früher der Fall war. Die Wahrheit ist nämlich, wenn man das Schreiben hintenanstellt, wird man meistens nicht dazu kommen. Es findet sich immer etwas, das wichtiger ist. Da ich auch noch einen »Brotjob« und eine Familie habe, gleicht das Jonglieren mit der Zeit oftmals ei-nem akrobatischen Kunststück.
Ich habe gelernt, dass die Wäsche mir nicht wegläuft, dass man Filme aufnehmen (oder streamen) kann, und dass Mann, Kind und Hund sich auch gut mal eine Stunde alleine be-schäftigen können, ohne an chronischer Vernachlässigung zu sterben. Kurz, ich bin möglich-erweise ein bisschen egoistischer geworden – und das ist auch gut so. 😉

11.    Was machst du, wenn du nicht schreibst?

Wenn ich nicht schreibe oder mich mit den oben genannten Dingen beschäftige, dann lese ich. Ich war schon immer ein Bücherwurm.

12.    Wie bist du zum Schreiben gekommen? Durch wen oder was?

Ich glaube tatsächlich durch meine Liebe zu Büchern. Diese verdanke ich meinen Eltern, die beide ebenfalls Leseratten sind und mich schon früh infiziert haben. Ich hatte schon immer eine lebhafte Fantasie und eine kreative Ader. Als Kind habe ich Geschichten aufgemalt, spä-ter waren meine Schulaufsätze immer die längsten und irgendwann als Jugendliche habe ich begonnen, Kurzgeschichten zu schreiben. Aber es dauerte sehr lange, bis ich mich tatsächlich selbst als Schriftstellerin identifizierte. Ich glaube, ich hatte Angst davor, was die Konsequenz dieses Eingeständnisses sein würde – nämlich mit anderen darüber zu sprechen, ihnen meine Welten zu öffnen, und selbst dazu zu stehen.

13.    Was liebst du am Schreiben? Was magst du nicht so sehr?

Ich liebe den Moment, wenn eine Geschichte beginnt, sich zu verselbstständigen. Wenn die Figuren aufstehen, ihre eigene Stimme entwickeln und ich nur noch staunend danebenstehen und ihnen zusehen kann.
Und ich hasse es, wenn das nicht passiert, wenn der magische Moment ausbleibt. Denn dann wird das Schreiben für mich zur Wahnsinns-Plackerei.

14.    Wie geht deine bessere Hälfte/Familie mit deinem „Schreibwahn“ um?

Och, ich denke, er hat sich inzwischen daran gewöhnt. Als wir uns kennenlernten, spielte das Schreiben für mich noch keine große Rolle, deshalb war es anfangs schwierig für ihn. Aber jetzt haben wir uns gut eingespielt. Meine Familie akzeptiert meine Schreibphasen, in denen ich kaum Zeit oder Lust auf irgendetwas anderes habe, weil sie weiß, es geht auch wieder vorbei.

15.    Was liest du gern? Welches Genre? Gibt es einen speziellen Autor? (Leserfrage)

Ich lese viele verschiedene Genres. Historische Romane natürlich, aber auch Thriller, Krimis und Horror. Auch ein schöner Liebesroman darf’s hin und wieder sein. Das Einzige, was ich nicht so gerne lese, sind Biografien und Sachbücher.
Die Liste meiner Lieblingsautoren ist lang, wobei mir von denen auch längst nicht alles ge-fällt. Da wären, z.B. Tana French, John Irving, Rebecca Gablé, Stephen King, Diana Gabaldon und Bernard Cornwell.

16.    Wenn du als Autor ein Buch liest, machst du es hundertprozentig als Privatperson oder liest der Autor in dir? (Leserfrage)

Das kommt ganz auf das Buch an. Ein gutes Buch zeichnet sich dadurch aus, dass ich mich darin verliere und eben nicht als Autor lese und analysiere.

17.    Welches Buch hättest du gerne selber geschrieben?

Das ist eine schwere Frage, über die ich lange nachdenken musste. Ich habe viele beeindru-ckende Bücher gelesen und mir oftmals gewünscht, so schreiben zu können wie dieser oder jener Autor. Aber tatsächlich schreibe genau das, was mir gefällt. Ich mag meine Geschich-ten und die Figuren darin, es sind genau die Art von Geschichten, die ich selbst gern lesen würde. Klingt das jetzt eitel? Ich hoffe nicht, denn so ist es nicht gemeint. Was ich meine, ist, wieso sollte ich zu anderen schielen, wenn ich doch genau das tue, was ich tun möchte?

18.    Welche Kritik hat dich am meisten gefreut oder geärgert?

Ich hasse Kritik, denn ich bin sehr selbstkritisch und nehme fast jede Kritik erst mal an, egal, wie verletzend oder unbegründet sie auch sein mag. Erst mit etwas Abstand fange ich an, zu selektieren. Was ist nützlich, was nicht? Was davon kann und will ich für mich annehmen, und was weise ich von mir? Das ist eine lästige Angewohnheit, an der ich kontinuierlich ar-beite: Ich habe ja auch keine Wahl, schließlich gehören schlechte Kritiken zum Geschäft.
Ärgerlich finde ich es, wenn die Kritik nur des Kritisierens wegen erfolgt. Wenn ich das Ge-fühl habe, da sucht jemand das Haar in der Suppe, weil er ein Lob nicht einfach so stehen lassen kann. Warum kann man nicht einfach sagen: »Hey, ich finde es toll, was du machst. Mach weiter so!« Warum muss ein »Aber …« dahinter stehen?
Und natürlich ärgere ich mich über Verrisse. Wer tut das nicht?

19.    Was wird dein nächstes Projekt?

Mein nächstes Projekt ist der dritte Teil meiner Wikingergeschichte. Das Manuskript ist zu etwa zur Hälfte fertiggestellt, im Moment mache ich jedoch eine kleine Schreibpause bis Neujahr, um meine Akkus aufzuladen. Ich hoffe, dass der Roman im nächsten Jahr dann fer-tig wird.

20.    Wo findet man dich im Internet?

Man findet mich auf meiner Homepage (www.rebekkamand.de) sowie auf Facebook und Twitter (@RebekkaMand).

 

Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen, Rebekka.

About Florian Tietgen

... trat 1959 als jüngerer Zwilling seinen Bruder auf die Welt, bevor der Arzt entsetzt rief: "Huch da kommt ja noch einer." Seitdem verstecke ich mich erfolgreich in unterschiedlichen Berufen und habe seit 2003 verschiedene Geschichten und Bücher veröffentlicht. Vorwiegend schreibe ich für Jugendliche und Gesellschaftsromane.