Erzähl uns von deinen nervtötendsten Figuren und gewinn ein eBook

Vorak Tyr Hjálmarr der Dritte, liebevoll, aber nur unter uns „Waldi“ genannt, hat mich beim Schreiben von Corvidæ fast in den Wahnsinn getrieben. Er saß beim Tippen unter meinem Schreibtisch oder auf der Fensterbank, hat kiloweise Mon Chéri verdrückt und mich mit seinen bissigen Anmerkungen genervt bis zur Schmerzgrenze. Aber er ist auch ein guter Freund geworden. Und ganz ehrlich, wer will schon aalglatte Jasager zum Freund? Ich nicht. Da ist mir Waldis Gemecker doch lieber, weil ich weiß, dass er tief drinnen, ein richtig guter … äh, Baumgeist ist.

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Welche Figuren aus Büchern haben dich schon genervt? Mochtest du sie trotzdem, oder hättest du sie lieber aus dem Text geschnitten? Oder sind sie am Ende sogar Freunde für dich geworden, so wie Waldi für mich?

Erzähl uns von deinen liebsten, nervigsten Buch-Figuren und gewinn eine von drei E-Bookausgaben von Corvidæ.

 

Und hier kommt noch ein Auszug aus dem Roman, in dem meine Protagonistin zum ersten Mal auf Vorak trifft:

Wir blieben stehen und versuchten die Herkunft der Stimme zu orten. Über unseren Köpfen raschelten die Blätter und ein Luftzug streifte meine Wange. Ich duckte mich und sah nach oben. Ein erneutes Rascheln ließ mich zur Seite hüpfen. Der Holunderbusch zu meiner Rechten schüttelte sich wie ein nasser Pudel. Ich griff nach Jacques‘ Hand und Rokan lachte laut auf.

„Ich wusste, dass wir uns auf dem rechten Weg befinden“, sagte er und griff in den Busch, wühlte darin herum und zog ein zappelndes Bündel hervor.

„Du Rotzlöffel! Setz mich auf den Boden oder ich reiße dir alle Federn einzeln aus!“

Das Männchen keifte noch weiter Zeter und Mordio, aber ich konnte mich nicht auf seine Worte konzentrieren, gebannt betrachtete ich das alte Gesicht, das von einer gigantischen Knollnase dominiert wurde. Rokan hielt es an einem Bein kopfüber in die Luft, so dass sein langer Zopf den Boden berührte.

„Ein Baumgeist“, entfuhr es mir und ich schlug mir erschrocken die Hand vor den Mund.

Das Männchen hatte aufgehört zu strampeln und zu schimpfen und sah mich jetzt durchdringend an. „Sie gehört nicht hierher“, sagte es. „Deine Mutter wird dir die Hammelbeine lang ziehen, Rokan.“ Dann lachte es und es klang wie Blätterrauschen. „Das hätte sie wohl öfter tun sollen.“ Es schlug sich trotz seiner misslichen Lage auf die Schenkel uns lief puterrot an. „Lang ziehen, versteht ihr?“ Dann verschluckte es sich und hustete. „Lass mich los, lass mich los, du Tölpel!“

Rokan öffnete seine Hand und das Männchen landete unsanft auf dem Boden. Ächzend stand es auf, staubte sich die Kleider ab und ordnete seinen Pferdeschwanz, der sich bei dem Sturz aufgelöst hatte.

Creek in Morning LightIch beobachtete, wie es den Sitz der Messerscheide überprüfte, die an seinem rechten Unterschenkel befestigt war, den Gürtel um seine Hüften enger schnallte und das Lederwams über seinem Kugelbauch zurechtzupfte. Als es damit fertig war, schlug es Rokan die Faust in den Magen. „Nimm das und danke der Anwesenheit der edlen Dame, dass ich dich nicht jetzt und hier zu Apfelmus verarbeite.“ Es warf sich mächtig in die Brust und nickte mir zu. „Vorak Tyr Hjálmarr der Dritte“, sagte es mit unüberhörbarem Stolz in der Stimme. „Welch gütiger Schicksalsstreich verehrt mir Eure Bekanntschaft?“

Ich klappte meinen Mund zu und wieder auf und gab ein sehr intelligentes Ähm von mir.

„Was ist mit ihr?“, flüsterte Vorak Rokan zu, der sich zwar den Bauch hielt, aber seinen zuckenden Mundwinkeln nach zu urteilen, eher vor unterdrücktem Lachen, als vor Schmerz. „Ist sie …“ Das Männchen stellte sich auf die Zehenspitzen, neigte sich noch näher zu Rokan und ließ den Zeigefinger neben seiner rechten Schläfe kreisen. „Ist sie beschränkt, stumpfsinnig, plemplem?“ Es senkte die Stimme zu einem kratzigen Rauschen und riss die Augen auf. „Wurde sie womöglich lobotomiert?“

„Nun ist es aber gut, Vorak.“ Rokan packte das Männchen am Kragen und schüttelte es. „Übermut ist der Tod des Mutigen, das solltest du dir einmal zu Herzen nehmen.“

„Verzeih mir meine Schelmerei.“ Vorak deutete eine Verbeugung an. „Aber bist du dir auch ganz sicher, dass sie nicht …“

„Schluss jetzt!“ Rokan sah sich um, drehte sich langsam um die eigene Achse und schüttelte leicht den Kopf. „Jakur“, sagte er und nickte dem Jungen zu. „Kann ich dich einen Moment sprechen?“

Die beiden gingen ein paar Schritte und ich blieb mit Vorak zurück, der mich unbefangen musterte. Er zog etwas aus der Hosentasche und begann verzückt darauf herumzukauen. Ich erkannte, dass es sich um einen Knochen handelte, der zu einem ziemlich kleinen Tier gehört haben musste. Ich würgte und Vorak streckte mir den Knochen entgegen. „Möchtet Ihr vielleicht einmal kosten, Schönste?“, fragte er und betonte jede Silbe langsam und deutlich, als spräche er tatsächlich mit einer Schwachsinnigen. Ich schüttelte den Kopf und schaute mich nach Rokan und Jacques um, die glücklicherweise schon wieder auf dem Weg zu uns waren.

„Vorak, sag, wo hast du mich heute zum letzten Mal gesehen?“, fragte Rokan.

Das Männchen sah ihn an, dann abwechselnd mich und Jacques, dann wieder Rokan. Es öffnete den Mund, schloss ihn wieder, überlegte einen Moment und seufzte. „Es muss am Wetter liegen“, sagte es. „Hat der Wind dein Hirn durch die Ohren geblasen? Nicht länger als die Zeitspanne, die ein Bussard benötigt, um auf eine Maus hinab zu stoßen, ist es her, dass du mir das Mittagessen brachtest – das übrigens ganz vorzüglich gewesen ist, meinen Dank an Maya – und jetzt hast du das vergessen?“ Es trat neben Rokan, hüpfte leichtfüßig hoch und schlug ihm mit der flachen Hand auf den Hinterkopf. „Oder willst du mich zum Narren halten? Da bist du an den Falschen geraten!“ Es drehte sich auf dem Absatz um und verschwand leise schimpfend in dem Busch, aus dem Rokan es gezogen hatte. „Plemplem“, hörte ich es noch murmeln. „Allesamt plemplem.“ Dann raschelten und wackelten die Büsche, die tiefer in den Wald führten und ich schloss meinem Mund, der schon wieder offen gestanden hatte.

 

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7 Replies to “Erzähl uns von deinen nervtötendsten Figuren und gewinn ein eBook”

  1. Ira Krissel

    Die nervigste Figur aus einem Roman war für mich Bella aus der Bis(s)-Reihe von Stephenie Meyer. Nein, bitte nicht steinigen! Das erste Buch fand ich noch originell, das zweite wurde schon langatmiger, aber im dritten Band hab ich mich ständig gefragt, warum das Mädel nicht endlich zu Potte kommt. Immer wieder das Gedanken Kreisen darüber, ob sie sich nun beißen lassen will, um auf ewig mit Edward zusammen sein zu können. Oh, man! (Äh, oh, frau!) Als Lektorin hätte ich den Text glatt um ein Drittel gekürzt und mehr Pepp von meiner Autorin gefordert. Das war dann das Ende meiner Bis(s)-Lektüre.

  2. Ruth Kornberger

    Ist schon lange her, aber dass ich es noch weiß, zeigt wohl, wie sehr sie mich genervt haben: Tim und Gabi von TKKG. Gabi war ja so hübsch und klug und Tim war so sportlich und hilfsbereit und bescheiden. Äääh …
    Karl und Klößchen fand ich aber gut.

  3. Tina Siebenschuh

    Huhu

    Also mich nervte Draco Malfoy in den Harry Potter Büchern. Irgendwie wollte er genau so Böse sein wie sein Papi . Hatte aber dann doch die Hosen voll oder schickte Crab und Geuil (?) vor… Mehr mut zur Boshaftigkeit *g*

    LG Tina

  4. Maria

    Mr. Grey! Und die dazugehörige Ana Steele mit ihrem Unterbewusstsein und ihrer elendigen inneren Göttin, die wie eine kleine hysterische High-School-Furie auf- und abhüpft und mit Pomspoms wedelt, sobald der Typ ihr droht, sie zu hauen. Oh Mann! Sein „leicht“ kollerisches Wesen, sobald sie sich nicht an das hält, was er erwartet oder will, war auch nicht besser.
    Also zwei Nervensägen, die es geschafft haben insgesamt zu vier Nervensägen (inner Goddess, the subconsciousness) zu werden … das muss denen erst einmal jemand nachmachen … 😉

  5. Sabine

    Die nervigste Figur tauchte in einer meiner eigenen Geschichten auf. Es sollte eine Art Collage-Geschichte werden, mit einzelnen Szenen, Zitaten, Erinnerungen – ich musste dazu sehr in mein eigenes Inneres horchen, um die passenden Verbindungen zu finden.
    Da meldete sich eine Stimme, die mir erklärte, es wäre alles Unsinn, was ich da schreiben würde, mit den ganzen Zitaten würde ich es nicht mal veröffentlichen können, also wozu säße ich denn am Schreibtisch und würde meine Zeit damit vergeuden statt etwas Sinnvolles zu tun – ich bin sicher, viele von euch kennen diese Stimme.
    Aber sie war zu dem Zeitpunkt so penetrant, dass ich sie sogar in die Geschichte integrierte. Ich taufte sie Lenor nach dieser Werbung des Weichspülers, wo die Schattengestalt der „Heldin“ stets erklärt „Jetzt hast du ein schlechtes Gewissen.“
    Ich ließ sie eine ganze Seite lang sülzen und machte eine wunderbare Erfahrung: Manchmal kann man sich wirklich etwas von der Seele schreiben. Sie gab Ruhe danach.
    Klappt bestimmt nicht immer, aber man sollte es zumindest mal versuchen.

  6. Simone Post author

    Eure Beispiele klingen alle so nervig, dass ich mich nicht entscheiden kann. Ich schick euch also allen ein eBook zu. Ich hoffe, ihr seid jetzt nicht enttäuscht. 😀
    LG
    Simone

    1. Sabine

      Enttäuscht? Entsetzt! So komme ich doch am Wochenende wieder zu nichts anderem als zum Lesen …

      Nein, im Ernst, ich freue mich riesig – danke. Ist auch schon angekommen.